Die Natur ist eine Kraftquelle! Einfach dadurch, dass sie Stress abbauen hilft, die Abwehrkräfte aktiviert, die Kreativität anregt und zudem unserem Gehirn die oft so notwendige Stille verschafft, die es braucht. Kein Wunder also, dass natürliche Rückzugsorte zum Entspannen boomen!

Warum sowohl unser Körper als auch unser Gehirn die Natur brauchen

Dadurch, dass wir in der Natur all unsere Sinne einsetzen können, also auch die, die im normalen Alltag meist unbeachtet bleiben, entspannen wir und bauen Stress ab. Auch störende, sich immerfort im Kreis drehende Gedanken verschwinden wie von Zauberhand, wenn wir uns in der Natur aufhalten. Zudem wird sogar unser Immunsystem durch die gesunde Waldluft aufgepeppt, was vor allem an den Phytonziden liegt. Das habe ich Dir im Blogbeitrag „Warum die Natur als Kraftquelle so wertvoll ist“ beschrieben.

Doch die Natur kann noch mehr: Dadurch, dass wir in ihr die dringend benötigte Stille finden, die unser Gehirn so dringend braucht, kann nicht nur unser Körper, sondern vor allem unser Gehirn entspannen.

Tod durch Lärm

Natürlich ist es auch in der Natur niemals völlig still. Da singen Vögel, dort summen Insekten, hier rascheln Blätter im Wind und im Unterholz knackt es. Allerdings handelt es sich hierbei um Naturgeräusche, die sich nicht mit den Lärmquellen vergleichen lassen, denen wir sonst ausgesetzt sind; also zum Beispiel Verkehrslärm, laute Gespräche, Telefonklingeln, Hupen, Bremsenquietschen und vieles mehr. Das sind alles Geräusche, bei denen unsere Amygdala – ein Bereich des Gehirns welches als Angstzentrum bekannt ist – anspringt. Und wenn die Amygdala erstmal aktiviert ist, ist auch der Stress nicht mehr fern.

Und es geht sogar noch weiter: Die WHO (Welt-Gesundheitsorganisation) vermutet sogar, dass von allen Todesfällen, die jährlich in Europa geschehen, alleine 300 auf Lärm zurückzuführen sind! Wenn sich das bewahrheiten sollte, dann werden natürliche Rückzugsorte zum Entspannen dringend benötigt!

Natürliche Rückzugsorte zum Entspannen – welche gibt es?

Kein Wunder also, dass Retreats, Pilgerreisen, Schweigeseminare oder Meditationswochenenden im Kloster boomen. Allerdings kannst Du auch immer wieder zwischendurch etwas dafür tun, um in die Stille zu gelangen und Deinem Gehirn die benötigte Ruhe zu gönnen, ohne gleich auf eine längere Reise aufbrechen zu müssen. Und zwar einfach dadurch, dass Du natürliche Rückzugsorte zum Entspannen aufsuchst, die es bestimmt auch bei Dir in der Nähe gibt. Das können beispielsweise die folgenden sein:

  • Park
  • Wald
  • Wiese
  • Garten/Schrebergarten
  • Friedhof
  • Segelboot auf dem Meer
  • Berge
  • See
  • Strand
  • Nordseeinsel im Winter; hier bietet sich besonders Spiekeroog an
  • Klostergarten
  • Botanischer Garten

Bestimmt fallen Dir auch noch weitere ein! Sei gerne ein wenig kreativ und probiere aus, welcher Rückzugsort Dir besonders gut tut. Vielleicht ist es nur einer, vielleicht sind es aber auch mehrere.

Was Stille in unserem Gehirn auslöst

Was passiert nun aber konkret, wenn wir uns in die Stille begeben? Dann wird ein Bereich im Gehirn aktiviert, welcher das Default Mode Network genannt wird und aus einer Gruppierung verschiedener Gehirnbereiche besteht. Diese zeigen vornehmlich dann eine Aktivität an, wenn sich jemand nicht konzentriert, sondern vielmehr tagträumt, sich an etwas (zum Beispiel aus der Kindheit) erinnert oder über die Zukunft sinniert. Und genau das sind die Aufgabe des DMN, wie das Default Mode Network abgekürzt auch genannt wird.

Und nun kommt es: All diese Aufgaben wie Selbstreflexion, Erinnerungen, Tagträumen, soziale Interaktion etc. können besser und schneller ablaufen, wenn es still ist. Das wurde in einigen wissenschaftlichen Studien gezeigt, die die Funktion von Meditationen auf das Gehirn untersucht haben. Denn wann kann man am besten meditieren? Richtig: Wenn es still und ruhig um einen herum ist.

Wenn du mehr darüber erfahren möchtest, was Stille in unserem Gehirn auslöst, kann ich Dir diesen Artikel auf Spektrum.de wärmstens empfehlen: https://www.spektrum.de/news/stille-warum-das-gehirn-ruhe-braucht/1798298

Warum wir das Default Mode Network brauchen

Doch brauchen wir diese Funktionen wie Tagträumen, Selbstreflexion oder die Zukunftsvisualisierung überhaupt? Schließlich sind diese alles andere als produktiv, was wir ja auf der Arbeit sein sollen. Außerdem sollen wir auch, laut dem Konzept der Achtsamkeit, mehr im Hier und Jetzt leben, um bewusster zu sein für alles, was wir tun und was am Tag so auf uns zukommt.

Das ist natürlich richtig. Allerdings können und sollten wir nicht den ganzen Tag auf höchste produktiv sein. Ausspannen ist durchaus richtig und wichtig. Dabei ist es ganz besonders essentiell, dass nicht nur unser Körper aus- und entspannt, sondern auch unser Gehirn, dem wir meist keine Pause gönnen. Und wodurch kann unser Gehirn am besten abschalten und entspannen? Richtig: Indem es sich nicht zu konzentrieren braucht, sondern im Gegenteil einfach sein kann.

Auch die Visualisierung der Zukunft hat durchaus ihre Berechtigung. Es könnte vielleicht besser mit Zukunftsplanung oder Visualisierung zur Zielerreichung beschrieben werden. Hierbei sind jedoch keine konkreten Planungsschritte gemeint, sondern einfach „nur“ die Vorstellung, was man sich für die Zukunft wünscht und auch das gegebenenfalls Durchspielen dessen, wie dann der Tag aussehen könnte. Das hat den Effekt, dass der- oder diejenige, der oder die weiß, was er oder sie sich von der Zukunft wünscht und erhofft, anschließend die notwendigen Schritte einleiten kann, um dieses Ziel auch zu erreichen.

Vor der Arbeit, nach der Arbeit und Zwischendurch

Deswegen funktionieren die Aufgaben des DMN, wie Tagträumen, Selbstreflexion oder die Zukunftsvisualisierung, auch in der Natur am besten. Hier gibt es nur sanfte Geräusche, die das Gehirn zur Ruhe kommen lassen. Kein plötzliches Hupen oder Quietschen, wodurch die Amygdala anspringt und uns in Panik und Stress versetzt.

Deswegen tut es uns auch so gut, sowohl in der Natur als auch in der Stille zu baden. Suche Dir also ganz bewusst für Dein DMN natürliche Rückzugsorte zum Entspannen und lade dort Deine Akkus auf. Das muss nicht unbedingt nur nach Feierabend sein. Sei auch hier kreativ und achte auch auf Deinen Biorhythmus. Wenn du also ein früher Vogel, also eine Lerche, bist, kannst du auch die frühen Morgenstunden nutzen, in denen noch kaum jemand unterwegs ist. Im Gegensatz, wenn Du also eher ein Abend- oder Nachtmensch sein solltest, also eine Eule, bietet sich natürlich der späte Feierabend an, wenn die meisten Menschen bereits wieder zu Hause sind. Unabhängig von diesen Zeiten könntest Du jedoch auch Deine Mittagspause nutzen, um den Kopf wieder frei zu kriegen. Vor allem wenn Deine Arbeitsstelle in der Nähe von einem Park oder einem anderen Stückchen Natur liegt, bietet es sich an, einen Teil der Mittagspause draußen zu verbringen.

Sei auch hier einfach etwas kreativ und probiere aus, was für dich am besten passt.

Ich wünsche Dir viele entspannte Natur-Momente in der Stille,
Heidemarie