Der Löwenzahn mit seinen leuchtend sonnengelben Blüten kann im Frühling kaum übersehen werden. Damit gehört er – zumindest für mich – zu den Pflanzen, die mir endgültig anzeigen, dass der Winter vorbei ist. Aber nicht jeder freut sich über ihn! Besonders Hobbygärtner ärgern sich über den Überlebenskünstler unter den Pflanzen. Höchste Zeit also, ein Plädoyer für den Löwenzahn zu halten.

 

„Verdammtes Unkraut!“, schimpfte mein Vater immer, wenn sich – mal wieder – ein Löwenzahn in unseren Garten verirrt hatte. Schon damals verstand ich nicht, warum er nicht gut auf diese Pflanze zu sprechen war. Ich bekam immer gute Laune, wenn ich sie sah (das ist auch bis heute so geblieben), und hatte auch meinen Spaß mit ihr. Oder besser: mit ihrem Fruchtstand. Denn einmal angepustet, schwebten viele kleine Schirmchen federleicht von dannen…

Wo sich der Löwenzahn einmal festsetzt…

Einmal irgendwo gelandet, setzen sich die Schirmchen sofort fest. Das muss nicht zwangsläufig eine Wiese sein. Überall, wo nur etwas Erde und genug Platz für seine Wurzel ist, kann der Löwenzahn wachsen. Deswegen gehört er auch zu den Pioniergewächsen, die sich, zum Beispiel nach Kahlschlägen, überall dort ansiedeln, wo sich zunächst keine andere Pflanze hin traut. Das macht den Löwenzahn zu einem Überlebenskünstler.

Außerdem besitzt er eine starke Pfahlwurzel, die selbst Asphalt zu sprengen vermag. Wegen dieser Wurzel ist der Löwenzahn auch vielen Hobbygärtnern so verhasst: Denn diese Wurzeln sind nicht nur schwer in einem Stück aus der Erde zu entfernen, sondern zudem äußerst strapazierfähig. Erst einmal irgendwo angesiedelt, wird man den Löwenzahn also nicht so schnell wieder los.

Vielleicht haben wir den Löwenzahn verdient?

Doch warum wollen wir diese Pflanze aus unseren Gärten entfernen? Weil sie sich nicht an unseren Plan hält, den wir uns für den Garten überlegt haben? Vielleicht ist sie ja gerade deswegen in den Garten gekommen! Denn wie bereits der Maler Oskar Kokoschka so treffend formuliert hat: „Unkraut ist die Opposition der Natur gegen die Regierung der Gärtner.“

Vielleicht ist es auch eine Erweiterung des Spruchs, dass jeder (Gärtner) das bekommt, was er verdient. Und damit halt den Löwenzahn. Damit dieser ihn oder sie etwas lehren kann: Das nichts so ist, wie es zunächst scheint. Denn auch der Löwenzahn ist alles andere als ein Eindringling, der sich klammheimlich anschleicht, nur um ein Territorium zu besetzen und den Gärtner zur Verzweiflung zu treiben. In der robusten Pflanze steckt so allerhand, das es zu entdecken gilt.

Eine Heilpflanze für die Nieren

Der Löwenzahn ist nämlich sage und schreibe eine Heilpflanze und enthält viele wichtige Inhaltsstoffe, die gut für unsere Gesundheit sind. Nicht umsonst bezeichne ich die Natur als Kraft- und Inspirations- und in diesem Fall auch als Energie- und Gesundheitsquelle!

Während man früher mit dem Löwenzahn vornehmlich Augenentzündungen behandelte, wird die Pflanze heutzutage hauptsächlich als harntreibendes Mittel eingesetzt. Deswegen sollte sie auch in jeder Frühjahrskur enthalten sein. In den südlichen Regionen von Deutschland wird sie aufgrund dieser Wirkung auf die Nieren sehr bildhaft als „Bettpisser“ oder „Bettseicher“ bezeichnet und in Frankreich nennt man sie „Pis en lit“.

Dieser Tee bietet sich beispielsweise für eine Frühjahrskur an:

1 bis 2 Teelöffel Löwenzahnblätter und -wurzeln (frisch oder getrocknet) mit 1 Liter kaltem Wasser aufgießen, kurz aufkochen und nach 10 Minuten abseihen. Für die Kur 4 bis 6 Wochen lang 3 Tassen täglich trinken.

Mit dem Löwenzahn zu kulinarischen Genüssen

Neben seiner harntreibenden Wirkung ist der Löwenzahn zudem eine bekannte Bitterstoffpflanze und wird bei Appetitlosigkeit, dyspeptischen Beschwerden (zum Beispiel Völlegefühle und Blähungen) und Störungen des Galleflusses angewendet. Dafür gibt es natürlich einige Präparate die in der Apotheke erworben werden können. Noch besser wirkt die Pflanze jedoch, wenn man sie beispielsweise in der heimischen Küche verwendet. Denn dann werden nicht nur die Bitterstoffe aufgenommen, die eine wohltuende Wirkung auf den Magen-Darm-Trakt haben, sondern auch die in der Pflanze enthaltenen Vitamine und Mineralstoffe. Der Löwenzahn ersetzt nämlich sämtliche Nahrungsergänzungsmittel: Neben den B-Vitaminen und den Vitaminen A, D, E und K hat die Pflanze außerdem einen hohen Gehalt an Kalium und Eisen und enthält zusätzlich noch Natrium, Calcium und Zink!

Deswegen ist der Löwenzahn besonders im Frühjahr eine belebende Zutat für Salate oder Suppen und kann sogar als Gemüse zubereitet werden:

Löwenzahl: Als Salat

Löwenzahnsalat mit Camembert und Walnüssen

3 Handvoll junge Löwenzahnblätter
30 g Walnüsse
30 g Camembert (mit Walnüssen)
Walnussöl
Weißweinessig
Senf, Salz, Pfeffer

Löwenzahnblätter waschen und in kleine Stücke rupfen. Walnüsse hacken. Camembert in mittelgroße Stücke schneiden. Alles in einer Schüssel vermengen.

Aus Öl, Essig, Senf, Salz und Pfeffer ein Dressing herstellen und über den Salat geben. Gut vermengen.
Schmeckt lecker mit frisch gebackenem Brot.

Knospengemüse

4 Handvoll Löwenzahnknospen (unten an der Rosette noch geschlossen)
1 Zwiebel
50 g Butter oder Margarine
Salz, Pfeffer, Muskat
Zitronensaft

Zwiebel hacken und mit Butter oder Margarine in einer Pfanne dünsten. Löwenzahnknospen dazugeben und 5 Minuten mitdünsten. Alles mit Salz, Pfeffer und Muskat würzen und einige Spritzer Zitronensaft darüber geben.

Sehr lecker zu Pellkartoffeln.

Löwiger Brotaufstrich

200 g Frischkäse mit Meerrettich
1 EL Zitronensaft
2 EL Sahne
Salz, Pfeffer
2 EL Cashewkerne
3 EL kleine, zarte Löwenzahnblätter
3 EL Knospengemüse (siehe Rezept oben)
6 EL Löwenzahn-Blütenblätter

Frischkäse mit Zitronensaft und Sahne verrühren. Nüsse und Löwenzahnblätter grob hacken und zusammen mit den Blütenblättern und dem erkalteten Knospengemüse unter die Frischkäsemasse rühren.

Mit Salz und Pfeffer abschmecken.

Selber ernten statt kaufen

Mittlerweile kann man Löwenzahnblätter auf Bauernmärkten und sogar in Bio-Supermärkten kaufen. Dabei ist das gar nicht nötig: Die Pflanze wächst überall und teilt gerne ihre Schätze mit uns.

Am besten pflückst Du die Blätter, bevor der Löwenzahn zu blühen beginnt, also im zeitigen Frühjahr. Dann sind sie schön zart und noch nicht zu bitter und können beispielsweise für Salate verwendet werden. Knospen und Blüten werden vom Frühjahr bis zum Frühsommer geerntet. Auch im Herbst, wenn der Löwenzahn ein zweites Mal austreibt, können Blätter, Knospen und Blüten gepflückt werden. Zu dieser Zeit bietet es sich außerdem an, Blätter und Blüten zu trocknen, um sich einen Wintervorrat, zum Beispiel für Teemischungen, anzulegen.

 

Wer könnte jetzt noch – mit all diesem Wissen – den Löwenzahn weiterhin verunglimpfen und ihn aus seinem Garten verbanden? Laden wir ihn stattdessen lieber ein, zu uns zu kommen, und uns und unsere Gesundheit zu bereichern.

Damit wünsche ich Dir viele entspannte Natur-Momente mit dem Löwenzahn,
Heidemarie